Im Rahmen meines Studiums an der Donau-Universität Krems gab es immer wieder Projektstudien bzw. Fallstudien zu erarbeiten.
Einige davon sind hier als Download zur Verfügung gestellt.





- Fallstudie - Aufbau und Betrieb eines Ausbildungsreferates [8.639 KB]
- Finanzierungsdarstellung des Rettungsdienstes in NÖ [138 KB]
- Kriterien für die Auswahl eines Rettungsdienstes [36 KB]
- Personalbedarf eines NAW Stützpunktes [658 KB]
- Implementierung eines NKW/RTW [1.463 KB]
- OnScene Coaching [256 KB]
- Patientenübergabe [47 KB]



Master Thesis

Master Thesis - "Die Patientenübergabe - Schnittstelle oder Schwachstelle?"

Im Oktober 2005 reichte ich meine Master Thesis mit dem Titel "Patientenübergabe - Schnittstelle oder Schwachstelle?" an der Donauuniversität Krems ein. Die Arbeit wurde von wHR Dr. Gerald Bachinger (Patientenanwalt NÖ) begutachtet.

Bedingt durch die umfangreiche Gestaltung des Fragebogens und die zahlreich eingegangen Antworten, steht reichhaltiges Datenmaterial für weitere Arbeiten zur Verfügung. Selbstverständlich stelle ich diese Daten für wissenschaftliche Arbeiten gerne zur Verfügung.



Einleitung zum Thema Patientenübergabe:

In den vergangenen Jahren haben Begriffe wie Qualität, Prozesse und Kosteneffizienz das gesamte Gesundheitswesen erfasst und es vor Herausforderungen gestellt, die zum Teil unlösbar erschienen.

Im klassischen Sinn bezeichnet man als Patientenübergabe jenen Punkt, an dem der Patient von der Obhut des Rettungsdienstes in die Obhut der Gesundheitseinrichtung übergeht. Dieser Punkt der Übergabe ist in einigen Standardwerken der Rettungsdienst-Ausbildung erwähnt, jedoch mangels rechtlicher oder anderer Vorgaben nicht näher beschrieben. Im Sprachgebrauch des Rettungsdienstes ist die Patientenübergabe jener Punkt, an welchem die Betreuung des Patienten durch den Rettungsdienst endet und als Bestätigung der Übergabe der Transportschein (als Basis der Verrechnung) mit dem Stempel der Station versehen wird.

Die Patientenübergabe stellt nach heutigen Erfahrungen das eher zufällige Aufeinandertreffen zweier in sich selbst geschlossene Prozesse dar. Der Prozess des Rettungsdienstes trifft auf den Prozess der Patientenaufnahme der Gesundheitseinrichtung. Beide Prozesse haben einen gemeinsamen Faktor: den Patienten. Dieser „Patient“ steht auch im Mittelpunkt der Bemühungen des Rettungsdienstes und der Gesundheitseinrichtung. Dies wird immer wieder auch durch Leitbilder, Publikationen und Mission-Statements klar dargelegt.

Umfragen und Recherchen haben ergeben, dass über diesen Punkt sehr wenig bekannt ist. Freien Interviews zu Folge, stellt dieser Punkt jedoch eine emotionale Konfliktzone zwischen Rettungsdienstmitarbeitern und Pflegepersonal dar. Um das Prozess-Ende bzw. den Prozess-Anfang miteinander zu verknüpfen und eine Schnittstelle – oder besser Schnittfläche - zu schaffen, ist es notwendig, Bedürfnisse und Ansichten der Beteiligten näher zu kennen, sowie vorgegebene Fakten zu erfassen. Diese Ergebnisse stellen die Basis zur weiteren Diskussion über die Gestaltung der Patientenübergabe dar.

Die Problemkreise der Patientenübergabe

Die spärlich durchgeführten Studien zur Problematik der Schnittstelle zwischen Rettungsdienst und Gesundheitseinrichtung haben sehr unterschiedliche Problemkreise aufgedeckt, die größtenteils noch auf eine eingehende Untersuchung warten.

Besonders drastisch wird in einem Bericht des Magazins Notfall & Rettungsmedizin (2001) über das Symposium „Nebeneinander -> Miteinander“ (Rosenheim 2001) die Schnittstellenproblematik dargestellt:
„Der Schnittstelle zwischen Rettungsdienst und Klinik wurde bisher von den jeweilig Verantwortlichen nur wenig Beachtung geschenkt. Nach wissenschaftlichen Analysen vermeidbarer Todesfälle treten diese neben 20% an der Unfallstelle und im weiteren klinischen Verlauf zu 60% durch Koordinationsprobleme an der Schnittstelle zwischen Rettungsdienst und Klinik auf.“

Festgehalten werden muss, dass die meisten Verfasser sich in ihren Ausführungen auf die Patientenübergabe in einem speziellen Bereich konzentriert haben. Die Problematik der Patientenübergabe zieht sich jedoch durch die gesamte Bandbreite aller Schnittstellen zwischen Rettungsdienst und Gesundheitseinrichtung. Daher ist es wichtig, bei der Diskussion zur Gestaltung standardisierter Schnittstellen-Prozesse diesen Punkt nicht aus den Augen zu verlieren.

In diesem Kapitel soll versucht werden, einzelne Problemkreise darzustellen und thematisch abzugrenzen.
Nach Analyse der vorliegenden Literatur, Ergebnissen der Internet-Recherche und freien Interviews ist festzuhalten, dass die Problematik der Schnittstelle aus sehr unterschiedlichen Ansätzen betrachtet wird.

Der notfallmedizinische Ansatz:
Je nachdem wie hoch der notfallmedizinische Bereich (klinisch und präklinisch) entwickelt ist, wird es hier sehr unterschiedliche Anforderungen an die Patientenübergabe geben.

Der pflegerische Ansatz:
Im pflegerischen Bereich wird der Patient nicht als willkommene Abwechslung gesehen, sondern oftmals als unangenehme Unterbrechung der Routinetätigkeit.

Der rettungsdienstliche Ansatz:
Für den Rettungsdienst stellt die Patientenübergabe den Abschluss der Betreuungs- und Versorgungstätigkeit dar. Die Interessen des Rettungsdienstes sind hier im finalen Stadium angelangt.

Der strukturelle Ansatz:
Dieser Ansatz geht der Frage nach, wie eine Patientenübergabe überhaupt gestaltet sein muss, damit sie gewissen Basisanforderungen entspricht. Der Bogen in der vorliegenden Literatur spannt sich vom „LowLevel-Basic“ bis hin zur Forderung eines hochkomplexen Prozesses.

Der haftungsrechtliche Ansatz:
Im haftungsrechtlichen Ansatz wird der Frage nachgegangen, wer haftet wann wofür? Wann befindet sich der Patient in der Obhut des Rettungsdienstes und ab wann „gehört“ der Patient dem Pflegepersonal?

Der emotionale Ansatz:
Der Schnittstellenbereich zwischen Rettungsdienst und Gesundheitseinrichtung stellt einen emotional stark belasteten Punkt dar. Hier erlebt man oft Konflikte, die aus Unkenntnis und mangelnder Kommunikation entstehen (und manchmal wie ein Gewitter über dem Kopf des Patienten wüten).

Der ganzheitliche Ansatz:
Der ganzheitliche Ansatz sieht den Patienten im Mittelpunkt aller beteiligten Kräfte. Er ist der Grund jeglicher Tätigkeit von Leitstelle, Rettungsdienst und Gesundheitseinrichtung. Oft wird dem Patienten aber auch die Rolle des „Störenfrieds“ zugeteilt.